Reisetagebuch Périgord: zwölfter Tag – Travel Journal Périgord: Day Twelve

Der letzte Tag hier! Und ich war mir gar nicht sicher, ob ich heute nochmal weiter fahren sollte, doch schließlich war es das schöne Wetter, das mich dazu brachte, nach Carlux zu fahren, um die „Jardins de Cadiot“ zu besuchen. Und ich bin sooo froh, dass ich das gemacht habe! Der Garten ist weniger bekannt als die anderen, die ich bereits besichtigt habe, doch für mich ist er der Schönste! Absolut romantisch… Und auch wenn es hier ebenfalls in Form geschnittene Büsche gibt, so darf der Rest durchaus etwas wuchern! Und weil er mir gar so gefallen hat, zeige ich doch auch gleich hier Fotos, zusätzlich zu meinem Aquarell…

My last day in France! I wasn’t at all sure if I should drive more than an hour once again, but the weather being nice I decided to go to Carlux. „Les Jardins de Cadiot“ is a less known garden than the others I had visited, but for me, it is the most beautiful – soo glad that I did the trip! It’s very romantic, and even if some bushes are cut in form, other plants are allowed to proliferate. Well, because I’m so enthusiastic about this garden, I’ll show you photos again along with my paintings…

Es gibt Laubengänge, Tore, Brunnen, Statuen, Skulpturen, alte Mauern…

There are pergolas, gates, fountains, statues, sculptures, old stone walls..

Sogar ein kleines Labyrinth, das man vom oberen Teil des Gartens gut sehen kann (das aber hoch genug ist, dass man sich innen verlaufen kann). Auch dabei: ein ganz zauberhafter portugiesischer Hof, hier habe ich gemalt.

Even a small labyrinth which you can see very well from the upper part of the garden (though it’s high enough to get lost in it). Also, a very nice portugese courtyard garden – here I’ve done my sketch.

Ich saß am Tisch und blickte in die andere Richtung.- Dann gibt es einen Bereich, den ich mal „Waldgarten“ nenne; hier spielen Bäume, Steine und Moos die größte Rolle, aber es gibt auch Tontöpfe und -scherben, die in der Erde stecken und mit Gedichten beschriftet sind – sehr schöne Idee:

I was sitting at the table, looking to the other side.- Then there’s a part I call „wood garden“ because trees, stones and moss play the main part. But there’s also some pottery in the earth with poems written on it – very nice idea:

Nun schicke ich die übrigen Bilder hinterher, bevor meine zweite Zeichnung kommt:

Here are the other photos before I show you my next sketch:

Auf dem Rückweg sah ich unterwegs einen Turm, der mir gefiel, und ich zeichnete ihn später aus dem Kopf nach:

On my way back I saw a tower I liked, so in the appartment I sketched it from my memory:

Auch in ein paar kleinen Dörfern habe ich noch fotografiert, da findet man immer was. Allerdings waren die heute, am Sonntag, wie ausgestorben. Ich hatte so ein „Erlkönig“-Gefühl: „Wer läuft Sonntag mittags in der Hitze rum?“ – „Die deutsche Touristin, nur die ist so dumm!“ 🙂

In some small villages on the way I had made some photo stops – there’s always something nice to discover. But Sunday these villages seemed empty – no person to be seen, I was alone. Weird feeling!

Reisetagebuch Périgord: zehnter Tag – Travel Journal Périgord: Day Ten

Heute war ein ganz verregneter Tag. Allerdings war ich ja in letzter Zeit ständig unterwegs gewesen, so tat ein ruhiger Tag auch ganz gut. Fotos bearbeiten, zeichnen… So habe ich die gestrige Seite, wo unten noch ein bisschen Platz war, mit kleinen Blütenbildern gefüllt; Blüten, die mir hier am Wegrand oder an den Hauswänden ständig begegnen:

A rainy day! Well, having been on my feet a lot these last days, I could do with a calm one – working on photos, sketching… At first, I filled the blank space of yesterday’s entry with some small flower pictures – flowers that I see here around everyday, at the wayside or on the walls of the houses:

Die Kombination von Klematis mit rosa Rosen fand ich toll… Und wo bei uns die wilden Orchideen so selten sind, hier leuchtet einem diese Sorte überall entgegen! Sieht aus wie Knabenkraut, ist aber viel farbintensiver als das, was bei uns wächst.- Als nächstes trat ich ans Fenster und zeichnete das Pony und die Eselin meiner Gastgeberin – die Weide ist gleich gegenüber.

The combination of Clematis and light pink roses looks great… While wild orchids are very rare and protected in Germany, here these ones catch your eye at the wayside everywhere! They’ve got the same shape as ones I know from Germany, but a much more intensive colour.- Then I stepped to the window and sketched the pony and the donkey of my hostess – their pasture is directly in front of my window.

Hier die beiden nochmal größer:

Here they are a bit larger:

Und schießlich malte ich noch nach einem Foto den kleinen Weiler „St.Félix- de-Reilhac“. Übrigens, Euch ist sicher aufgefallen, dass hier viele Orte mit -ac enden: das ist occitanisch (also alt-südfranzösisch) und heißt „Ort“ – also logisch, dass es häufig vorkommt!

At last I did a picture from a photo: „St.Félix-de-Reilhac“, a village of a few houses. By the way – you might have noticed that many villages or towns around here end on -ac: that’s from the old language of the south of France and means „place“ – no wonder that it’s used so often!

Übung macht den Meister… – Skill Comes With Practice…

Momentan bin ich richtig im Schwung, möchte am liebsten ständig und alles, was ich sehe, zeichnen und malen… Allerdings bin ich etwas schüchtern, wenn es darum geht, sich draussen irgendwo mit dem Malblock hinzusetzen – fühle mich nicht wohl, wenn jeder zweite Passant neugierig guckt, was ich mache. Das kommt, wenn ich sicherer bin, aber bisher habe ich daher nur mit Fotos als Vorlage gemalt oder in „sicherem“ Umfeld – bei meiner Mutter auf dem Balkon. Heute habe ich mich daher bei mir zu Hause umgesehen, denn hier stört mich ja auch niemand! Ich wohne in einem kleinen, alten Haus, das durchaus seine charmanten Seiten hat, wie Ihr sehen werdet!

Being „in the flow“, I feel like sketching and painting anything I see… But, also being somewhat shy when it comes to sitting in the open, dabbling at a sketch, with passers-by curiously looking on my sketch pad, up to now I’ve used photos as a reference. The only picture I’ve done from „real life“ is the one on my mother’s balcony – a „save place“. So, today I’ve looked around my place for motives, because here nobody can disturb me, either! I’m living in a small, old house which has some vintage charm, too, as you will see!

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Dieses alte Wasserbecken hängt im Hausflur direkt neben meiner Wohnungstür. Die Frau meines Vermieters holt dort immer Wasser, wenn sie den Hausflur putzt. Auf die große Emaille-Wand zwischen Hahn und Becken habe ich vor ein paar Jahren ein kleines, selbst gestaltetes Schild angebracht mit dem Spruch: „Das Beste aber ist das Wasser“ – von Pindar, einem „alten Römer“. Die Herausforderung beim Skizzieren war für mich, die Symmetrie und Proportionen der Form hinzubekommen. (Kleine Unregelmäßigkeiten sind normal und völlig ok!) Beim Malen ging es um Schatten und Licht im monochromen Bereich.

Above: this old sink is mounted on the wall in the staircase near my appartment door. My landlady still uses it when cleaning the stairs. The small sign is one I’ve made some years ago, quoting Pindar, an „ancient Roman“: „But water is the most precious thing“. The challenge when sketching was catching the shapes and the symmetry of the forms. When painting it was the monochrome shadows and light to achieve depth.

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Oben: Blick auf meinem Hinterhof – vom Badezimmerfenster aus. Letzteres ist links am Rand noch zu erkennen. Linien und Perspektive wollten erarbeitet werden; besonders, weil ich hier ja von oben hinunter gucke. Die verschiedenen Baumformen im Hintergrund sind tatsächlich vorhanden; allerdings habe ich einen Häuserblock hinter dem Schuppen durch blauen Himmel ersetzt (den ich allerdings etwas schludrig gemalt habe…) – beim Malen ist sowas ja nicht nur gestattet, sondern erwünscht 🙂 . Die harten Schatten erforderten etwas Mut, aber nur so kommt das Licht auch heraus. „Kein Licht ohne Schatten“: das stimmt besonders beim Malen! Licht kann man nicht an sich malen, sondern nur durch die Schatten suggerieren!

Above: view on my backyard – from my bathroom window, of which you can see a small part on the left side. Lines and perspective had to be worked out – most of all, because this is a view from above. The different tree shapes in the background exist in real life, but I’ve replaced an ugly appartment block behind the shed by blue sky 🙂 . When painting, wishful thinking is not only okay, but a definite option! The hard shadows required some courage, but they are necessary to show the light. „No light without shadow“ is a saying that is specially true when painting: you can’t paint light itsself, only create the IMPRESSION of light by painting shadows!

aquarellbuch

Für meine deutschsprachigen Leser ein Tipp: dieses Buch hat mir in der kurzen Zeit, die ich jetzt übe, schon sehr geholfen – besonders beim Sehen. Das lockere Skizzieren OHNE Radiergummi-Einsatz gelingt mir noch nicht… Aber seine Tipps, Perspektive ohne geometrische Hilfslinien richtig hinzubekommen, und das Sehen zu schulen, sind äußerst hilfreich für Anfänger!

This book has helped me a lot already in my learning process – alas, I don’t know if it has been published in other languages than German. But I’m positive that there are similar guide books in English/ your language as well. It’s about learning to see and sketch in a loose way.